Poetry Slam by Viktor Hacker | Blume2000.de

Das Valentinstag-Geschenk

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Der spezielle Pärchentag steht vor der Tür, wie man so schön sagt. Aber im Grunde genommen hat er das Portal schon längst eingetreten, denn seit Jahresbeginn siehst du sie bereits überall umherirren: Hektische Männer-Gestalten mit sorgenvollen Mienen. Sie sind auf der Suche nach dem Geschenk. Dem „kleinen Geschenk“ zum Valentinstag! Sie haben es sich selbst versprochen. Du hattest es dir auch versprochen: Dieses Jahr sollte kein Stress aufkommen. Nein, nein. Und jetzt? Jeden verdammten Tag zermartern sich allerorten die Kerle die Hirne, wie und womit sie ihrer Liebsten ihre Wertschätzung zeigen können. Und viele sind dabei erfolgreich! Von Neujahr bis Anfang Februar schwärmen sie durch die Einkaufsstraßen der Metropolen, machen Geschenkebeute und die Verkäufer stopfen ihnen die wunderbaren Präsente in voluminöse Plastiktüten … nein, nicht in Plastiktüten, sie wickeln sie in gewaltige Plastikplanen. Plastikplanen, prall gefüllt mit jeder Menge „Die-wollt-ich-schon-immer“ und „Schatz-wo-hast-du-die-denn-her“ und „Liebling-es-ist-wunderschön“.

Und du? Pustekuchen und dicke Backen: Dir fällt mal wieder nichts ein. Dir ist gar nichts eingefallen die letzten Wochen. Weil dir nie etwas einfällt, wenn es um Geschenke geht. Weil du jedes Jahr der große, einsame Cowboy bist, der nicht weiß, wie er seiner Freundin verflixt noch mal eine klitzekleine Freude machen soll. Du siehst dich schon wieder dumm rumstehen, am vierzehnten Februar. Und am morgendlichen Valentinstag-Frühstückstisch siehst du sie glitzern: Die eine oder andere Sache, die sich deine Freundin für dich ausgedacht hat. Über das ganze Jahr hinweg hat sie sich Gedanken gemacht. Hier und da ein Schnäppchen gegriffen, scheinbar wahllos aus dem Angebot der kleinen und großen Läden, der Kaufhäuser und Boutiquen. Mit dem zielsicheren, weiblichen Sammelinstinkt hat sie Dinge, die für dich wertlos und überflüssig scheinen aus dem Warenangebot gefischt. Vielleicht hat sie dabei sogar freudig gejuchzt, während du dumm daneben gestanden hast.

Auf dem Tisch dann haben sich die Dinge plötzlich harmonisch zusammengefunden und du staunst nicht wenig, während du feststellen musst, das nichts von dem, was sie in den letzten Monaten zusammengepflückt hat, unsinnig oder überflüssig ist. Nein, die Präsente sind ebenso originell wie praktisch, sie erfüllen einen alltäglichen Zweck und passen perfekt zu deinem Typ. Mist. Und dein Versprechen? Die Zeit ist dir zwischen den Fingern zerronnen wie die Nordseestrand-Sandburg bei Flut im letzten Sommer. Du hast es nicht gehalten und eingefallen ist dir auch nichts.

Dabei ist es doch so einfach, zu schenken. Höre zu, Mann, hier kommen die ultimativen Tipps fürs perfekte Präsent.

Regel Nummer eins: Achte auf versteckte Seufzer, wenn du mit ihr vor der Glotze sitzt. Vielleicht nimmt sie dich zufällig zum Klamottenanprobieren mit. Oder macht einen beiläufigen Hinweis darauf, welcher Duft ihr ganz besonders gut stünde. Frauen wissen, dass wir doof sind, sie helfen uns gerne auf die Sprünge. Wenn du die erste Regel befolgst, dann hast du bis zum nächsten Valentinstag garantiert zehn Top-Geschenke auf deiner Liste.

Die sehr wichtige Regel Nummer zwei lautet: Schmeiß die Liste jetzt weg. Tu es, wir sind schließlich nicht im Kindergarten! Wenn du deine Frau nicht überraschen kannst, wirst du nie ihr Superheld sein. Daher Regel Nummer drei: Ein Geschenk muss deinen Charakter repräsentieren. Das heißt, es muss süß sein, es muss super-verdammt-männlich sein, es muss etwas absolut einzigartig sein und es muss auf jeden Fall romantisch sein. Halt! Schlag dir die Sache mit dem Überraschungsei sofort aus dem Kopf! Tja, natürlich könntest du ihr etwas basteln. Das ist auf jeden Fall süß. Höchstwahrscheinlich wird es auch einzigartig sein, wenn auch nicht in einem geschmackvollen Sinn. Fragen wie „Das ist süß, was ist das?“ möchten wir uns dann doch lieber ersparen. Außerdem: Zu süß ist schlecht für die Männlichkeit.

Du könntest ihr selbstverständlich auch gar nichts schenken. Antworte auf ihr Säuseln „Hast du denn überhaupt nichts für mich dabei?“ mit einem entschiedenen „Nein“. Das ist auf jeden Fall super-verdammt-männlich. Birgt aber wenig Zukunft in sich.

Du könntest sie natürlich zum Essen einladen. Das ist auf jeden Fall romantisch. Und wenn man es richtig anstellt, bringt man auch die drei weiteren entscheidenden Punkte unter: Ihr ganz viele Komplimente machen (süß), etwas vorher mit dem Küchenchef aushandeln, was selbstverständlich nicht auf der Karte zu finden ist (einzigartig). Aber wie kannst du dabei super-verdammt-männlich sein? Ach ja, der Wein. Kipp dir ordentlich einen rein. Weil du dich so gut fühlst. Weil es so schön mit ihr ist. Schenk dir nochmal nach. Denn das lockert die Zunge. Du musst jetzt nämlich über deine Gefühle für sie sprechen. Das ist Heldenmut. Aber sei vorsichtig, dass du dich nicht versehentlich in die Unzurechnungsfähigkeit becherst. Es gibt nichts weniger super-verdammt-Männlicheres auf diesem Planeten, als einen betrunkenen Helden, der beim Versuch, seine innere Befindlichkeiten zum Ausdruck zu bringen, herumfuchtelnd sämtliche Gläser vom Tisch räumt und ihr anschließend den Teller mit der Vorsuppe in den Schoß kippt. Also, halte dich zurück und wenn ihr dann auf dem Weg nach Hause seid, sag ihr Sachen, die ihre Fantasie in Gang bringen. Du weißt schon. Du bist beschwipst, denke nicht drüber nach. Sag es einfach. Versprich aber nichts, was du hinterher nicht mehr halten kannst! So wird es ein wunderbarer Abend.

Und als echter Fuchs hast du natürlich für den nächsten Tag schon etwas ganz Besonderes vorbereitet. Während des – von dir zubereiteten! – Frühstücks entschuldigst du dich kurz und verschwindest für einen Moment auf den Dachboden oder im Keller. Hier hast du den schon vor ein paar Tagen bestellten und gestern vom Boten gelieferten Blumenstrauß versteckt. Ein üppiges, buntes, wunderbar duftendes Gebinde mit ihren Lieblingsblumen. Notiz: Welche das sind, hast du selbstverständlich durch geschicktes Fragen im Vorfeld herausgefunden. Dieses prachtvolle Bouquet präsentierst du jetzt deiner Herzdame. Und zack, ist alles beisammen: Romantisch, süß, einzigartig und trotzdem super-verdammt-männlich.

Ach, wo wir gerade dabei sind: Für den Fall, dass du es in deiner Glückseligkeit über den gelungenen Valentinstag vergessen haben solltest: Denke an das Osterfest. Das steht auch demnächst an. Wetten, dass Sie „etwas Kleines“ für dich vorbereitet und schon vor Längerem eingelagert hat? Und jetzt bitte nicht „herum-ähen“. Das wäre total uncool, Mann!

Einfach im Kopf behalten: Blumen passen immer!



Text: Viktor Hacker

Fotos: Ravengraphy